Rebekka Schulte - blankziehen

 

18.09. - 06.11.2016

 

Rebekka Schulte wurde 1976 in Soest geboren. Sie studierte Gestaltung mit dem Schwerpunkt Freie Zeichnung an der Fachhochschule Bielefeld; Auslandsaufenthalt 2001/02 in Utrecht (2003 Diplom, 2009 Master of Arts berufsbegleitend). Seit 2003 leitet sie das Offene Atelier im LWL-Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt, 2014 hatte sie einen Lehrauftrag an der Uni Witten/Herdecke. Einzelausstellungen wurden gezeigt in der MARTa-Kapelle in Herford (2005), im Morgnerhaus Soest (2009), in der Galerie artists unlimited in Bielefeld (2010) und im VON-Raum in Berlin (2012). https://www.facebook.com/Rebekka-Schulte-808765712511813/

 „Ich zeichne, um zu zeichnen. Ich zeichne die Dinge. Kopfgeschichten. Geschichten und Schichten, verschichten. Alltagsschichten. Gehört und gezeichnet. Ganz viel Unwichtiges. Aber immer. Zeichne schnell. Muss nicht groß sein. Auch nachts.“ Bewegt, mehrlagig und fragmentarisch wirkt schon dieser Auszug ihrer Arbeitsnotizen. Die eigene Version von der Geschichte erzählen und Geschichten hinter sich lassen – diese Möglichkeit findet Rebekka Schulte in ihren Zeichnungen. Ein Motto für sie ist: „Das Abarbeiten an dem Moment, an und mit der Linie“.

Rebekka Schultes Zeichnungen strahlen ein expressives Temperament aus, das den Betrachter sofort mitreißt. Zugleich wirken sie weder virtuos noch anmaßend, sondern eher verletzlich. Man spürt: jede Linie bleibt ein Wagnis, ein Balanceakt ohne Netz und ohne die Möglichkeit der Korrektur. Die Verläufe und Richtungen stimmen genau. Ihre Zeichnungen sind zugleich intim und stark. Sie schreiben ganz unterschiedliche Themen nieder – alltägliche, banale, schwerwiegende, auch kuriose – gefiltert durch ihr persönliches Leben und Erleben. Dabei reicht ihre Kunst weit über den Alltag hinaus und findet eine immer neue Form der Aussage und Selbstorientierung. Sichtbar wird die Zeit, die sich die Künstlerin genommen hat, das Schichten, das „Übereinanderlegen von Zeichnungen in einem Bild, auf einem Grund“ – als Gedächtnis, als „Palimpsest“, dessen Spuren und Wege den Betrachter mit hereinholen.

Die Ausstellung im Kunstverein Lippstadt ist die erste umfassende Präsentation der Künstlerin. Rebekka Schulte realisiert in den Räumen des Kunstvereins große raumbezogene Zeichnungen. Das dazu geplante Katalogbuch enthält einen einführenden Text von Erich Franz sowie persönliche Bemerkungen der Künstlerin über das Zeichnen.

 

Gefördert wird der Katalog vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).